Kurz-Biographie
Günter Raphael

Pianist, Komponist, Musikpädagoge
* 30. 4. 1903 Berlin, † 19. 9. 1960 Herford

Früh von der Mutter Maria Raphael in den Fächern Viola und Klavier unterrichtet, begann der 9-Jährige zu komponieren. Nach dem Studium an der Berliner Musikhochschule vermittelte Karl Straube Privatstudien bei Arnold Mendelssohn in Darmstadt. Der Leipziger Thomaskantor stellte ihn 1926 als Lehrer für Komposition und Musiktheorie am Leipziger Kirchenmusikalischen Institut an. Ausdruck von Raphaels hoher Begabung und den vielbeachteten Erfolgen sind u. a. zahlreiche bei renommierten Verlagen erschienenen Werke des knapp 30-Jährigen. Zunächst an Brahms, Reger und der Leipziger gemäßigten Moderne orientiert, bildete er in späteren Jahren einen persönlichen Stil heraus.

In Meiningen erlitt R. während des Nationalsozialismus wegen seiner "nichtarischen" Abstammung über 10 Jahre eine schwere Einschränkung seiner persönlichen und künstlerischen Freiheit, die zeitweise in eine existenzielle Bedrohung mündete. In die Werrastadt war R. nach der erfolgten Entlassung aus dem Lehramt (November 1933) mit seiner Ehefrau Pauline Jessen umgezogen. Der Ablehnung seines Aufnahmeantrages in die Reichsmusikkammer (RMK) per 22. August 1935 folgte die Genehmigung der Berufstätigkeit per 19. September 1935. Zwar erlaubte ihm die Wiederaufnahme in die RMK per 6. Mai 1936, seine Kompositionen zu veröffentlichen und Unterricht zu erteilen, aber das mit der Mitgliedschaft de jure verbundene öffentliche Auftrittsrecht machte ihm der Städtische Musikbeauftragte Meiningens, Ottomar Güntzel, beharrlich streitig.

Anläßlich eines für den 22. Juni 1937 geplanten Haydn-Mozart-Beethoven-Abends im Meininger Schloß verschärfte dieser den Druck auf Raphael und wandte sich u. a. wiederholt an Peter Raabe, den Präsidenten der Reichsmusikkammer. Zwar gelang Güntzel die Verhinderung des Konzertes nicht, aber nach Insistieren von verschiedenen Seiten zog eigens Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, per Schreiben vom 8. März 1939 die erteilte Sondergenehmigung zurück und verbot Raphael weiteres "Auftreten bzw. Spielen".

Die am 18. April 1939 erfolgte Einziehung der Mitgliedskarte der Reichsmusikkammer verbot ihm jegliche Betätigung auf dem "Zuständigkeitsgebiet der Reichsmusikkammer". Trotz schwerer Erkrankungen war R. auch in dieser Zeit schöpferisch tätig. Nur knapp entging er der Deportation, zuletzt durch die Aufnahme in ein Krankenhaus von Bad Nauheim (1944). Die ersten Nachkriegsjahre verlebte R. in Laubach/Oberhessen. Nach Unterricht an den Konservatorien in Duisburg und Mainz übernahm er von 1957 bis zu seinem Tode eine Professur in Köln. 1948 wurde er mit dem Liszt-Preis der Stadt Weimar, 1968 postum als Ehrensenator der Leipziger Musikhochschule geehrt.

Das Programm der deutschlandweit größten Ehrung Günter Raphaels 2010, der Raphael-Tage Meiningen 2010
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